VOM REGISSEUR

 

Am Anfang wollte ich einen Film über die toten Nazis in meiner Familie machen.

 

Der Grund war einfach und unerträglich: ein allzu heimeliger Zustand von Depression. Grandiose Familienlegenden von „Gut ohne Böse“ paßten nur vage zu meinen korrodierten Beziehungen zu Mutter und Großmutter. Was hatte ich da verpasst? Ziemlich viel, wie sich zeigte: mein erstes Zuhause, meinen Vater, die Familie auf seiner Seite, meine Großväter, von denen einer der Jäger war, der immer nur um die nächste Ecke schien, obwohl er viele Jahre tot war.

 

260 Stunden an gedrehtem Material und einige Jahre später wollten wir in der Montage ein Gefühl von Schutzlosigkeit erzeugen. Es geht hier um nichts Geringeres als Faschismus und seine anhaltenden tödlichen Konsequenzen. Unser Ziel war es, jeden sicheren Halt am Film zu entfernen. Dadurch ist die Betrachterin in jedem Moment gefordert auf ihre eigenen Beziehungen und deren Geschichten und Emotionen zurückzugreifen. Jeder Mensch hat Eltern und jeder Mensch hat eine Familiengeschichte. Beinahe jede Familie ist früher oder später von historischen Ereignissen, toten Vorfahren und früheren Leben erschüttert. Weiters wollten wir allzu Gefälliges in Stil und Ästhetik vermeiden. Das Epische Home Movie war die konsequenteste Form die wir gefunden haben. All das selbst gedrehte Material wie historisches Material zu verwenden, war eine wichtige Entscheidung.

 

Der Schnitt wurde zu einem wesentlichen Teil meines eigenen Trauerprozesses, der nur durch die Zusammenarbeit und Unterstützung der Leute, die das Projekt umgaben, bewältigbar wurde. Es ist alles noch sehr frisch, aber zum ersten Mal erträglich. Wie’s mir heute geht? Manchmal traurig, manchmal wütend, es ist ein Leben in Sicht... und schon etwas völlig anderes in Arbeit.

 

MJC.

 

 

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